Bruchfestigkeit
Welche Bruchlast benötigen Schoten und Fallen?
Verwenden Sie diese Berechnung für Fallen und Genuaschoten. Für Fahrtenyachten empfehlen wir einen Sicherheitsfaktor von 2:1. Für Regattayachten wird häufig ein Sicherheitsfaktor von 1,5:1 verwendet. Für Spinnaker verwenden Sie den Faktor 13 anstelle von 30.
Diese Berechnung ergibt die minimal erforderliche Bruchlast. Die endgültige Wahl des Tauwerks hängt zusätzlich von Dehnung, Seildurchmesser, Konstruktion und der Kompatibilität mit dem Decksbeschlag ab.
Die richtigen Fallen und Schoten für Ihr Boot auswählen
Wie berechne ich die erforderliche Bruchlast?
Die erforderliche Bruchlast für Fallen und Genuaschoten kann anhand der Segelfläche abgeschätzt werden.
Diese Methode geht von Einsatzbedingungen bis etwa Windstärke 7 und fachgerecht ausgeführten Spleißen aus.
Empfohlener Sicherheitsfaktor
Häufig verwendeter Sicherheitsfaktor
Anstelle von Faktor 30 verwenden
Bei einem Fall mit einer 1:2-Untersetzung kann die erforderliche Bruchlast des Tauwerks durch zwei geteilt werden. Klemmen, Klampen, Blöcke und Schäkel müssen trotzdem für die vollständige Systemlast ausgelegt sein.
Bruchlast ist nur ein Teil der richtigen Tauwerkwahl
Die Bruchlast sagt aus, ob ein Tauwerk die erwartete Spitzenbelastung sicher aufnehmen kann. Sie sagt jedoch nicht, wie sich die Leine unter normaler Arbeitslast verhält.
Zwei Leinen mit derselben Bruchlast können sich an Bord völlig unterschiedlich verhalten. Dehnung, Kriechverhalten, Durchmesser, Grip und Abriebbeständigkeit beeinflussen, wie gut ein Fall oder eine Schot tatsächlich funktioniert.
Ein Polyesterfall kann laut Berechnung stark genug sein, sich unter Arbeitslast aber trotzdem so stark dehnen, dass sich die Segelform verändert. Hochmodulfasern wie Stirotex und Dyneema kombinieren hohe Festigkeit mit deutlich geringerer Dehnung.
Das ist besonders bei Fallen wichtig. Schon eine relativ geringe Längenänderung kann die Segelform beeinflussen und wiederholtes Nachspannen erforderlich machen.
Mehr über Tauwerkfasern und ihre Eigenschaften erfahren .
Polyester vs. Hochleistungsfaser bei gleichem Durchmesser
| Material | Beispiel | Typische Bruchlast bei 10 mm | Dehnung unter Last | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Polyester | Cruiser XTS | Ca. 2.750 kg | Mittel | Schoten, Fallen, allgemeine Anwendungen |
| Stirotex-Kern | S Cup | Ca. 5.195 kg | Sehr gering | Fallen, Schoten, Trimmleinen |
Praxisbeispiel aus unserer Taklerei
Vor kurzem haben wir eine Dehler 36 mit denselben Bruchlastberechnungen neu aufgeriggt, die auf dieser Seite beschrieben werden. Das Boot wird aktiv für Performance-Cruising genutzt, wobei eine stabile Segelform und eine einfache Handhabung gleichermaßen wichtig sind.
Auf Basis der Segelfläche ergab sich für Großsegel- und Genuafall eine minimale Bruchlast von 2.200 kg. Ein Polyesterfall könnte diese Anforderung technisch erfüllen, würde sich unter Arbeitslast jedoch stärker dehnen und dadurch häufiger nachgespannt werden müssen.
Deshalb haben wir ein Fall mit Stirotex-Kern und einem widerstandsfähigen Schutzmantel gewählt, vergleichbar mit der Konstruktion unserer S Cup Fallen . Diese Kombination bietet sehr geringe Arbeitsdehnung, zuverlässigen Halt in der Klemme und weniger Gewicht im Rigg.
Auch der Seildurchmesser wurde so gewählt, dass er optimal zum Arbeitsbereich der vorhandenen Klemmen passt.
- Minimale erforderliche Bruchlast berechnen.
- Den passenden Sicherheitsfaktor anwenden.
- Material und gewünschtes Dehnungsverhalten wählen.
- Die erforderliche Festigkeit in einen praxisgerechten Durchmesser übersetzen.
- Kompatibilität mit Klemmen, Klampen, Blöcken und Schäkeln prüfen.
Sicherheitsfaktoren unter realen Segelbedingungen
Sicherheitsfaktoren schaffen zusätzliche Reserve für Stoßbelastungen, Verschleiß, UV-Einwirkung und Alterung.
Eine größere Sicherheitsreserve ist sinnvoll, weil Tauwerk auf Fahrtenyachten normalerweise länger an Bord bleibt und weniger häufig ersetzt wird.
Regattaleinen werden häufiger auf geringes Gewicht optimiert und in der Regel öfter kontrolliert und ersetzt.
Ein fachgerecht ausgeführter Spleiß reduziert die Bruchlast typischerweise um etwa 5–10%. Ein Knoten kann die Seilfestigkeit deutlich stärker reduzieren. Die Berechnungen auf dieser Seite gehen von gespleißten Endverbindungen aus.
Fall-Bruchlast und Tauwerk nach Segelfläche auswählen
|
Segelfläche (m2) |
Bruchlast Fahrten SF 2,0 |
Empfohlenes Tauwerk Fahrten |
Bruchlast Regatta SF 1,5 |
Empfohlenes Tauwerk Regatta |
|---|---|---|---|---|
| 20–30 m² | 1.200–1.800 kg | Cruiser XTS | 900–1.350 kg | S Cup |
| 30–40 m² | 1.800–2.400 kg | DX Performance | 1.350–1.800 kg | S Cup |
| 40–50 m² | 2.400–3.000 kg | S Cup | 1.800–2.250 kg | S Cup |
| 50–60 m² | 3.000–3.600 kg | S Cup | 2.250–2.700 kg | S Cup |
| 60–70 m² | 3.600–4.200 kg | S Cup | 2.700–3.150 kg | TN Racing |
Die richtigen Fallen und Schoten nach Segelfläche auswählen
Bruchlast der Großschot
Bei Großschoten beeinflusst auch der Befestigungspunkt am Baum die auftretende Last. Je weiter vorne die Großschot am Baum befestigt ist, desto höher wird die Belastung im System.
Bei einer 4:1-Untersetzung der Großschot wird die Last auf das Tauwerk durch vier geteilt. Die Belastung von Traveller und Blöcken wird dadurch nicht in gleicher Weise reduziert.
Häufig gestellte Fragen zur Bruchlast
Wie berechne ich die richtige Bruchlast für Fallen und Schoten?
Multiplizieren Sie die Segelfläche in Quadratmetern mit 30. Das ergibt die geschätzte minimale Bruchlast für Fallen und Genuaschoten.
Anschließend wird ein Sicherheitsfaktor angewendet, meist etwa 2 für Fahrtensegeln und 1,5 für Regattasegeln.
Welchen Sicherheitsfaktor sollte ich für Fahrten- oder Regattasegeln verwenden?
Für Fahrtenyachten wird häufig ein Sicherheitsfaktor von 2 verwendet, um zusätzliche Reserve für Verschleiß, Alterung und UV-Einwirkung zu schaffen.
Bei Regattayachten wird häufig etwa 1,5 verwendet, da die Leinen regelmäßig kontrolliert und häufiger ersetzt werden.
Ist Bruchlast wichtiger als Dehnung?
Beides ist wichtig. Die Bruchlast bestimmt, ob eine Leine ausreichend stark ist. Die Dehnung bestimmt ihr Verhalten unter normaler Arbeitslast.
Besonders bei Fallen ist das wichtig, weil die Dehnung direkten Einfluss auf die Segelform hat.
Kann ich eine dünnere Leine wählen, wenn die Bruchlast ausreicht?
Nicht immer. Klemmen, Organizer, Blöcke und anderer Decksbeschlag funktionieren innerhalb bestimmter Durchmesserbereiche.
Eine zu dünne Leine kann rutschen oder schneller verschleißen, obwohl ihre Bruchlast theoretisch ausreichend ist.
Warum rutscht mein Fall in der Klemme, obwohl es stark genug ist?
Häufig passt der Seildurchmesser oder die Mantelkonstruktion nicht optimal zur Klemme.
Ein größerer Durchmesser oder ein Mantel mit besserem Grip kann die Haltekraft verbessern.
Welches Tauwerkmaterial eignet sich am besten für Fallen?
Für Fallen sind geringe Dehnung und minimales Kriechverhalten besonders wichtig. Hochmodulfasern wie Stirotex und Dyneema weisen eine deutlich geringere Dehnung als Polyester auf.
Beeinflusst ein Spleiß die Bruchlast einer Leine?
Ein fachgerecht ausgeführter Spleiß reduziert die Bruchlast typischerweise um etwa 5–10%.
Knoten können die Festigkeit deutlich stärker reduzieren. Die Berechnungen auf dieser Seite gehen von gespleißten Endverbindungen aus.
Kann ich dieselbe Berechnung für Schoten und Fallen verwenden?
Für Genuaschoten und Fallen kann dieselbe Grundberechnung verwendet werden. Für die Großschot gilt ein anderes Belastungsmodell, da der Befestigungspunkt am Baum die Last beeinflusst.
Für Spinnaker wird ein niedrigerer Faktor verwendet, da sich die Belastungscharakteristik unterscheidet.